Akute Infektion der oberen Atemwege, nicht näher bezeichnet.
ICD -10 Code

J06.9
Definition

Die Infektion der oberen Atemwege stellt die häufigste Infektionskrankheit des Menschen dar. Folge der Infektion ist die Entzündung der Atemwege; dabei sind die Schleimhäute des Nasen-Rachen-Raumes hoch entzündet. Begleitend kommt es auch zu vermehrten Absonderungen in den entzündeten Atemwegen. Jährlich erkranken in der Bundesrepublik etwa 50% der Gesamtbevölkerung. Auslöser sind in mehr als 50% aller Fälle Viren. Eine Ansteckung erfolgt häufig durch den engen Kontakt zu erkrankten Personen; ein Niesen oder ein Hustenanfall reicht schon für eine Ansteckung aus.
Ursachen

Die Ansteckung oder Übertragung der Erkrankung erfolgt durch die sogenannte Tröpfcheninfektion. Durch einen engen Kontakt zu erkrankten Personen kommt es zur Erregerübertragung; Niesen oder ein Hustenanfall reicht in der Regel für eine Ansteckung aus.
Im Allgemeinen entwickelt sich eine (akute) Infektion der oberen Atemwege auf dem Boden einer Erkältung, die durch verschiedene Viren verursacht wird. Dabei dringen Mikroorganismen in das menschliche Gewebe ein und verursachen im Laufe der Infektion klinische Symptome. Der klinische Verlauf einer infektiösen Erkrankung wird von der Erregerzahl und der schädlichen Aktivität der Erreger, sowie von der Abwehrfähigkeit der erkrankten Person bestimmt.
Symptome

Ist die Atemwegsinfektion ausgebrochen, weist die erkrankte Person charakteristische Symptome wie Husten, Schluckbeschwerden, behinderte Nasenatmung, Halsschmerzen und Heiserkeit auf. Es kommt zu Schleimhautentzündungen mit reichlich Absonderungen der oberen Atemwege. Diese Absonderungen können klarflüssig, schleimig und eitrig sein. Zusätzlich klagen die Patienten über starke oder weniger starke Kopf- und Gliederschmerzen sowie Leistungsminderung, erhöhte Temperatur und Schüttelfrost. Nicht selten gesellen sich zu diesen Beschwerden auch Ohrenschmerzen und Schnupfen. Der Schnupfen kann sich unter Umständen zu einer Nasennebenhöhlenentzündung weiter entwickeln.
Diagnostik

Eine ausführliche Untersuchung des Patienten unter Berücksichtigung der Jahreszeit und einer eventuellen Infektionswelle führt in der Regel zur richtigen Diagnose. Bei der körperlichen Untersuchung werden die oberen Atemwege ausführlich kontrolliert. Es wird abgeklärt, ob eine Verengung der Atemwege in Folge einer Schleimhautentzündung vorliegt. Weitere Fragen, die der Untersucher zu klären hat, sind: Ist die Rachenschleimhaut gerötet und verdickt? Ist sie zudem eitrig? Liegen verdickte und gerötete Mandeln vor? Wenn ja, sind diese vereitert? Ist die Zunge belegt? Des Weiteren muss eine Beteiligung der Lunge ausgeschlossen werden (Pneumonie). Dies kann in der Regel durch das Abhören der Lunge mit dem Stethoskop (schalleitender Gummischlauch; dabei stellen die Atemgeräusche des Patienten die Schallquelle dar) abgeklärt werden. Auch werden im Halsbereich die Lymphknoten auf Größenänderung und Druckschmerzhaftigkeit abgetastet. Mit einem Ohrtrichter wird der Gehörgang kontrolliert (medizinische Bezeichnung für die Untersuchung: Otoskopie; Untersuchungsgerät Otoskop = Ohrtrichter mit einer Lupenvergrößerung plus Lichtquelle). Wenn eine Untersuchung der Nasennebenhöhlen erforderlich wird, erfolgt dies mit einem sogenannten Rhinoskop. Je nach Befund der Rhinoskopie schließt sich eine Röntgenaufnahme der Nasennebenhöhlen an. Auch ist es dem Arzt möglich, die Nasenhöhlen mit einem medizinischen Instrumentarium zu untersuchen, dem sogenannten Nasenspekulum.
Auswirkungen

Unter Umständen kann sich als Folgekrankheit der oberen Atemwegsinfektion eine bakterielle Entzündung der Nasennebenhöhlen (Sinusitis) und/oder eine Mittelohrentzündung (Otitis media) entwickeln. Dies ist insofern möglich, da zwischen den beiden Nasenhöhlen und den über diesen befindlichen Nasennebenhöhlen über kleine knöcherne Fensterungen offene Verbindungen bestehen. Darüber hinaus besteht zwischen dem Rachenraum und dem Mittelohr durch einen Verbindungsgang, der sogenannten Ohrtrompete, eine weitere direkte Verbindung. So ist ersichtlich, dass Erreger in der Nasen- oder Rachenschleimhaut sich in der dortigen Schleimhaut vermehrend, je nach Krankheitsverlauf über diese offenen Verbindungskanäle in die Nasennebenhöhlen und in das Mittelohr gelangen, wo sich die Schleimhaut ebenfalls entzündet.
Auch sollte darauf geachtet werden, während einer Krankheitsphase keine körperlichen Anstrengungen, wie z. B. Sport, zu betreiben, da die Viren und Bakterien leichter, aufgrund des geschwächten Immunsystems, auch in andere Regionen des Körpers vordringen und dort schwere Erkrankungen verursachen können.
Therapie

Die Therapie richtet sich nach den Symptomen und ist nur bei schweren Erkrankungen notwendig.

So können bei Bedarf sogenannte Analgetika (Schmerzmittel) beziehungsweise Antipyretika (fiebersenkendes Mittel) eingenommen werden. Diese sind:
- Acetylsalicylsäure (ASS)
- Paracetamol
- Ibuprofen
- Diclofenac
- Indometacin.

Zur Behandlung des (Reiz-)hustens eignet sich:
- Codein.
Vorsicht ist geboten, da der Dauergebrauch und eine zu hohe Dosierung von Codein eine Abhängigkeit verursachen kann. Bei kurzem Gebrauch und niedriger Dosierung besteht diese Gefahr jedoch nicht.

Zur Schleimhautabschwellung, beispielsweise der Nasenschleimhaut, eigenen sich folgende Medikamente:
- Sympathomimetikum (Xylometazolin, Oxymetazolin, Naphazolin).
Auch hier muss beachtet werden, dass das Medikament nicht länger als sieben Tage und in dieser Zeit höchstens dreimal am Tag verwendet werden darf. Wenn nämlich bei längerem Gebrauch (mehr als sieben Tage) das Medikament abgesetzt wird, schwillt die Nasenschleimhaut erneut an. Man glaubt, der Schnupfen sei noch nicht auskuriert woraufhin man die Tropfen wieder benutzt. Die Folge wäre eine Schädigung der Nasenschleimhaut und eine damit erhöhte Anfälligkeit für Erreger wie Viren und Bakterien.

Ist der Schnupfen nach sieben Tagen nicht auskuriert, muss dieser mit anderen Medikamenten behandelt werden:
- Salzhaltige Lösungen (z. B. Meerwasser).

Abhängig von Erkrankungsform, Erregerart und Schweregrad des Erkrankungsbildes kommen unterschiedliche Antibiotika-Präparate zum Einsatz. Antibiotika haben die Eigenschaft, den Stoffwechsel der Bakterienerreger negativ zu beeinflussen. Eine Gruppe von Antibiotika hemmt beispielsweise die Zellwandsynthese, eine andere Gruppe wirkt bakterizid, d. h. tötet die Erreger direkt ab, und wieder andere Antibiotika sind in der Lage, Bakterien lebensnotwendige Substanzen vorzuenthalten. Somit wird die Ursache der Infektion effektiv behandelt. Zur Auswahl stehen eine ganze Reihe von Antibiotika, die unterschiedlich eingenommen werden müssen. Eine virale Infektion wird in der Regel symptomatisch behandelt. Nur in schweren Fällen wird eine medikamentöse Behandlung mit z. B. Neuraminidasehemmern eingeleitet.
Darüber hinaus ist auch die körperliche Schonung wichtig. Eine strikte Bettruhe ist in schweren Fällen einzuhalten. Weitere allgemeine Maßnahmen sind die Verwendung von Halswickeln, die Einnahme von beruhigenden Halstabletten oder Lutschpastillen, das Trinken warm-heißer Kräutertees oder erwärmter Milch mit Honig sowie Feuchtinhalationen mit z. B. Kamilleextrakten. Unterstützend ist auch der Verzicht auf Nikotin, bei Heiserkeit sollte die Stimme geschont werden.
Prophylaxe

Besteht eine Erkältung und möchte man verhindern, dass sich beispielsweise eine Nasennebenhöhlenentzündung entwickelt, sollte versucht werden, die Schleimhaut der Atemwege rasch zum Abschwellen zu bringen, sodass eine offene Verbindung zwischen den Nasennebenhöhlen und den beiden Nasenhöhlen weiterhin gewährleistet werden kann. Dies sichert die notwendige Belüftung der Nasennebenhöhlen. Dafür muss die betroffene Person nasenschleimhautabschwellende Medikamente einsetzen, die allerdings nicht länger als zwei Wochen eingenommen werden dürfen, da diese sonst an erwünschter Wirkung verlieren.
Prinzipiell gilt es, das Immunsystem durch eine biologisch gesunde, mineralienreiche Ernährungsweise, durch ausreichend sportliche Bewegung zu stärken und negative Faktoren wie Nikotin, Alkohol und Stress zu meiden.
Bemerkungen

Zahlreiche Infektionskrankheiten sind zu bestimmten Jahreszeiten gehäuft zu beobachten. So treten die Erkältungskrankheiten, beispielsweise durch Rhinoviren verursacht, gehäuft im Frühjahr und Winter auf. In den Sommermonaten verursachen Coxsackieviren und ECHO-Viren die Sommergrippe. Die Parainflueanzae-Viren sind die Verursacher der winterlichen Erkältungskrankheiten.

Literatur:
Innere Medizin, Herold 2009.

ib;ml; aktualisiert: 11/2009