Myom, gutartige Geschwulst der Gebärmutter, Gebärmutterwucherung, gutartiger Tumor der Gebärmutter, Leiomyom, Fibroleiomyom, Fibromyom des Uterus, gutartige Neubildung des Uterus.
ICD -10 Code

D25.-
Definition

Das Myom, auch Fibroleiomyom bzw. Fibromyom, ist eine gutartige Geschwulst, die aus glattem Muskelgewebe und einem bindegewebigen Anteil besteht und hauptsächlich im Bereich der Gebärmutter (Uterus) vorkommt. Uterusmyome sind normalerweise runde, manchmal auch von außen unregelmäßig verformte, muskuläre Wucherungen im Bereich der Gebärmutter. Sie finden sich bei etwa 20 - 30% aller Frauen jenseits des 30. Lebensjahres und stellen damit den häufigsten Tumor der Frau dar. Das Wachstum von Myomen ist stark an die hormonelle Funktion der Eierstöcke gebunden, sodass sich bei Kindern und Frauen in der Postmenopause keine Myome neu bilden. Dadurch sind sie auch in gewissem Maße medikamentös durch Hormone behandelbar. Myome können einzeln auftreten, aber auch als sog. Uterus myomatosus die gesamte Gebärmutter durchsetzen. Sie gehören zu den größten Tumoren des Körpers. Eine Unterteilung der Geschwülste wird einmal nach ihrer Lokalisation vorgenommen: Es gibt die seltenen Zervixmyome am Gebärmutterhals und die häufigeren Korpusmyome im "Körper" der Gebärmutter. Zum anderen nach ihrer Lage in der Uteruswand: so genannte intramurale Myome sind am häufigsten. Sie liegen in der Wand, führen zu einer Vergrößerung der Muskulatur und können die Gebärmutter bis auf das Dreifache vergrößern. Die anderen Myomformen finden sich in den eher äußeren Bereichen der Uterusmuskulatur. Sie führen zu sichtbaren Vorwölbungen und Knoten. Es werden submuköse Myome, die sich in Richtung der Gebärmutterhöhle nach innen entwickeln, von subserösen Myomen unterschieden, die an der Außenseite des Uterus liegen. Des Weiteren existieren intraligamentäre Myome, welche im angrenzenden Gewebe zur Gebärmutter lokalisiert sind. Eine weitere Sonderform ist ein oberflächliches submuköses Myom. Der Uterus versucht, dieses als Fremdkörper auszutreiben. Es entwickelt sich ein Stiel; das Myom kann sogar aus dem Muttermund herauswachsen. Dieser Zustand wird als Myoma in statu nascendi (nascendi: geboren werden) bezeichnet.
Selten ist eine diffuse Leiomyomatose, bei der sich zahlreiche kleine Geschwülste im Uterus finden. Noch seltener sind generalisierte Formen, bei denen Myome in Gefäße einwachsen und so bis zum Herzen vordringen (intravenöse M.) oder zu zahlreichen Wucherungen in den kleinen Lymphgefäßen des Beckens führen. Enthält ein Uterusmyom zusätzlich zu glatter Muskulatur und Bindegewebe noch Drüsengewebe aus der Schleimhaut, so wird es als Adenomyom bezeichnet.
Ursachen

Die Entwicklung der Uterusmyome ist abhängig von der hormonellen Funktion der Eierstöcke (Ovarien). Vor der Pubertät treten sie nicht auf, und auch nach der Menopause kommt es zu keinen Neubildungen. In der Regel bilden sie sich in dieser Phase wieder zurück oder werden kleiner. Die wichtigsten zusammenwirkenden Ursachen sind eine genetische Veranlagung und eine Fehlregulation des Hormonhaushaltes. Hormone sind Stoffe, die über den Blutweg Informationen von Organ zu Organ übermitteln - in diesem Fall von den Eierstöcken zur Gebärmutter. Besonders scheint ein Übergewicht von Östrogen im Verhältnis zu Progesteron die Entwicklung von Myomen zu begünstigen, wie es z. B. kurz vor Einsetzen der Menopause, in den so genannten Wechseljahren besteht. Im Myomgewebe sind mehr Östrogen- und Progesteronrezeptoren, die die Wirkung von den Hormonen im Organ vermitteln. Hier besteht allerdings ein relativer Mangel an Progesteronrezeptoren. In den Muskelzellen kommt es zu Fehlfunktionen, die zu einem übermäßigen Wachstum und damit zu den Wucherungen führen. Eine echte Kapsel besitzt ein Myom nicht, doch die Muskelschichten ordnen sich kapselartig an, sodass Myome bei einer Operation leicht von dem übrigen Gewebe abgegrenzt werden können. Enthält ein Uterusmyom neben glatter Muskulatur und Bindegewebe zusätzlich noch Drüsengewebe aus der Schleimhaut, so wird es als Adenomyom bezeichnet.
Reine Myome schrumpfen beim Fehlen von Östrogenen stark (nach den Wechseljahren, im Wochenbett oder bei medikamentöser Therapie).
Symptome

Die Symptome des Myoms sind abhängig von der Ausprägung, ihrer Größe und Lage. Kleinere Myome verursachen oft keine Probleme und sind meist ein Zufallsbefund. Bereiten Myome Beschwerden, stehen vor allem Blutungsstörungen im Vordergrund. Durch die Dehnung der Schleimhaut ist die blutende Fläche vergrößert. Gleichzeitig werden die blutstillenden Mechanismen gestört, z. B. sind übermäßig starke (Hypermeorrhoen) oder verlängerte Regelblutungen (Menorrhagien) die Folge. Treten unregelmäßige, nicht zyklische Blutungen auf, spricht man von Metrorrhagien, die meist durch Einreißen infolge der starken Spannung der Schleimhaut auftreten.
Weil die hormonelle Situation kurz vor den Wechseljahren mit einem relativen Übergewicht an Östrogen einhergeht, da nicht mehr genug Progesteron produziert wird, wird die Bildung von Myomen begünstigt. Zusätzlich ähneln die Blutungsstörungen denen der Menopause, sodass sie eventuell missgedeutet werden könnten.
Große Myome können außerdem Druck auf benachbarte Gewebe und Organe ausüben und diese sogar verdrängen. Blasenbeschwerden mit gesteigertem Harndrang oder Entleerungsstörungen (Miktionsbeschwerden), Darmträgheit oder Verstopfung (Obstipation) oder Rückenschmerzen sind mögliche Symptome. Ungefähr 20 - 30% der betroffenen Frauen leiden unter Schmerzen, die durch diese Verdrängungen hervorgerufen werden. Krampf- oder wehenartige Schmerzen des Uterus selbst sind eher selten. Mögliche Komplikationen von Uterusmyomen sind z. B. eine Blutarmut (Anämie) mit Herzklopfen, Schwindel und Kopfschmerzen durch anhaltende stärkere Blutungen oder Harnwegsentzündungen durch die Kompression der Harnröhre. Durch Druck auf den Harnleiter kann sich Urin in die Niere zurückstauen, es entwickelt sich eine Stauungsniere.
Myome können in 30% der Fälle ihre Struktur verändern, z. B. durch Einblutungen oder Kalkeinlagerungen. Gefährlich ist eine Entzündung und Vereiterung eher oberflächlich gelegener Myome durch eingeschleppte Keime. Selten sind Myombildungen in Zusammenhang mit einer Schwangerschaft. Hier geht ihr Wachstum allerdings weniger auf die Vermehrung der Muskelmasse zurück als vielmehr hauptsächlich auf eine Wassereinlagerung, die sich nach der Geburt rasch wieder zurückbildet, dabei allerdings z. T. verkalkt. Die Hauptbeschwerden, die während der Schwangerschaft von ihnen hervorgerufen werden können, sind Schmerzen durch Durchblutungsstörungen der Myome, ein Geburtshindernis stellen sie nur in den seltensten Fällen dar. Oft kommen allerdings behandlungsbedürftige Nachblutungen vor. Generell bedeuten Myome für Schwangere ein erhöhtes Risiko, eine Fehlgeburt zu erleiden.
Einige Formen der Sterilität (Unfruchtbarkeit) gehen mit Myomen einher, da die ihnen zugrunde liegenden Ursachen auch das hormonelle Ungleichgewicht verursachen, das die Entstehung von Myomen begünstigt. Umgekehrt kann es auch sein, dass ein bestehendes Myom ein mechanisches Hindernis für eine Einnistung der befruchteten Eizelle darstellt.
Diagnostik

Die Schilderung der Krankheitssymptome gibt dem Arzt wichtige Hinweise auf mögliche Uterusmyome. Die Untersuchung und das Abtasten der Gebärmutter sind erste Untersuchungen, wobei die Härte, die kugelige Gestalt und die Lage die wichtigsten Anhaltspunkte sind. Die Diagnose kann durch eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) gesichert werden. Um das Ausmaß eventuell durch die Myome verursachter Organschädigungen zu bestimmen, müssen weitere diagnostische Verfahren (z. B. Blasenspiegelung, Nierenuntersuchungen) eingesetzt werden. Im Fall eines in der Wandmuskelschicht der Gebärmutter (intramural) liegenden Myoms sollte ebenfalls eine Schwangerschaft ausgeschlossen werden. Besonders wichtig ist der Ausschluss einer Entartung oder eines bösartigen Uterustumors. Hierbei ist das so genannte Uterus-Sarkom zu nennen, welches einem rasch wachsendem Uterus myomatosus ähnelt. Dieser Tumor gehört allerdings zu den selten vorkommenden Entartungen (in 0,1% der Fälle). Um mögliche Komplikationen zu erkennen, wird das Blut auf Anämie und Entzündungszeichen untersucht, die sich erhöhen, wenn es zu einer Vereiterung, Nekrose oder Verjauchung des Myoms kommt, aber auch bei Harnwegsinfektionen infolge von Harnstau. Schmerzen beim Wasserlassen, eitriger Ausfluss, Verstopfung, Bauchkrämpfe oder andere Symptome können auf akute Komplikationen hinweisen und sollten dem Arzt mitgeteilt werden. Beschwerdefreie Patientinnen, bei denen ein Myom festgestellt wurde, sollten dieses alle sechs Monate von einem Gynäkologen kontrollieren lassen. Ein rasches Wachstum eines Uterus myomatosus ist verdächtig auf eine Fehldiagnose: Wahrscheinlicher sind dann Schwangerschaft, Ovarialtumore, Erweichungsprozesse oder das oben genannte Uterus-Sarkom.
Auswirkungen

Neben den möglichen Komplikationen ist eine Myomerkrankung für alle Frauen mit Kinderwunsch von Bedeutung. Häufig besteht bei vorhandenen Myomen eine Sterilität (hormonell oder mechanisch bedingt). Bei einer Schwangerschaft ist die Gefahr von Fehl- und Frühgeburten erhöht. Frauen, die nach einer organerhaltenden Myomoperation schwanger werden, aber auch Frauen mit bestehendem Myom, sollten wegen der Gefahr eines Einreißens der Gebärmutter (Uterusruptur) oder so genannter atonischer Nachblutungen in einer Klinik entbinden. Eine vollständige Entfernung der Gebärmutter kann notwendig werden, wenn der Blutverlust oder die Beschwerden durch medikamentös nicht behandelbare Blutungsstörungen zu groß sind, andere Organe in Mitleidenschaft gezogen werden oder nach uteruserhaltenden Operationen Rezidive auftreten, d. h. neue Myome entstehen. Sie sollte aber nur in zwingend notwendigen Fällen und mit dem vollen Einverständnis der Betroffenen vorgenommen werden.
Myome, die häufige oder lang dauernde Blutungen verursachen, können langfristig zu einem Blutmangel führen, einer Anämie, weswegen das Blut regelmäßig kontrolliert werden sollte.
Auch andere Organe können durch Kompression in Mitleidenschaft gezogen werden. Ständige Harnwegsinfekte deuten auf die Kompression der Harnwege hin, darmnah gelegene Myome können mit der Darmwand verwachsen und diese in ihrer Beweglichkeit behindern.
Akute Komplikationen sind Risse des Stiels der gestielten Myome, Nekrosen und Entzündungen meist submukös gelegener Myome. Auf die seltene, aber mögliche Entartung zu einem bösartigen Sarkom wurde unter dem Punkt Diagnostik hingewiesen.
Therapie

Die Therapie eines Myoms ist abhängig von der Größe der Geschwulst und den Beschwerden der Patientin. Beschwerdefreie Verläufe werden in der Regel nicht therapiert. Regelmäßige Kontrollen der gutartigen Geschwulst in etwa halbjährlichen Abständen sind wichtig, besonders wenn Kinderwunsch besteht. Eine medikamentöse Hormonbehandlung durch Progesteron wird bei Blutungsstörungen in Erwähnung gezogen und kann die Symptomatik vermindern. Zur Verkleinerung des Myoms als Operationsvorbereitung dienen Hormonanaloga, welche die Funktion der Eierstöcke und damit die Hormonausschüttung senken. Bei z. B. sehr großen oder gestielten Myomen, bei sehr schnellem Geschwulstwachstum, Verdacht auf Bösartigkeit oder bei anderen Komplikationen (Organbeeinträchtigungen, Infektionen) ist eine Operation die Behandlung der Wahl. Bei den endoskopischen Operationstechniken werden über die Bauchhöhle oder über die Scheide kleinste Instrumente eingeführt und unter Sicht über eine Kamera die Myome entfernt. Ist diese Technik nicht einsetzbar, werden die Tumore herkömmlich offen-operativ entfernt. Ein Organerhalt ist vor der Operation schlecht einschätzbar. Das Wiederauftreten (Rezidivbildung) neuer Myome ist mit rund 15% sehr hoch, so dass in einigen Fällen die Entfernung der gesamten Gebärmutter geboten ist (Hysterektomie). Besteht allerdings Kinderwunsch bei der Patientin muss versucht werden durch die Entfernung des Myoms bei Erhalt der Gebärmutter (= Myomenukleation) zu therapieren.
In letzter Zeit hat sich ein weiteres Verfahren etabliert - die Embolisation. Hierbei werden winzige Kunststoffkügelchen in das Blutgefäß eingebracht, welches das Myom versorgt. Dadurch wird dieses Gefäß dauerhaft verschlossen. Die Geschwulst wird nicht mehr mit Nährstoffen versorgt und somit "ausgehungert".
Prophylaxe

Es gibt keine Maßnahmen, die diese Erkrankung vorbeugen. Allerdings ist eine regelmäßige Kontrolle beim Frauenarzt generell sinnvoll. In diesem Rahmen wird ein Myom recht früh erkannt. Hierbei kann dann entschieden werden, ob man eventuell therapiert oder abwartend vorgeht. Vor allem kurz vor der Menopause kann man davon ausgehen, dass sich das Myom wieder zurückbildet. Ansonsten kann man eventuell einen medikamentösen Behandlungsversuch unternehmen.
Bemerkungen

Literatur:
Gynäkologie und Geburtshilfe, Pfleiderer u. a., Thieme, 2001; Gynäkologie u. Geburtshilfe compact, Uhl, Thieme, 2001; Gynäkologische Onkologie, Schattauer, 1994; Spezielle Anatomie II, Frick u. a., Thieme, 1992; Klinikleitfaden Gynäkologie, Verl. Urban-Fischer, 2003; Roche-Lexikon, Medizin, 5. Auflage 2003; Gynäkologie und Geburtshilfe, Stauber-Weyerstahl, Thieme 2005.

ab;ml; aktualisiert: 06/2009