Nichttoxischer solitärer Schilddrüsenknoten, nichttoxische einknotige Struma.
ICD -10 Code

E04.1
Definition

Ein solitärer Schilddrüsenknoten ist eine einzelne knotige Vergrößerung der Schilddrüse. In über 90% der Fälle ist ein Jodmangel als Ursache anzusehen. In selteneren Fällen können Knoten durch Autoimmunerkrankungen oder durch maligne (bösartige) Tumoren bedingt sein. Solitäre Schilddrüsenknoten können sich in Bezug auf die Hormonproduktion in einer euthyreoten (normalen), hypothyreoten (erniedrigten) oder hyperthyreoten (erhöhten) Stoffwechsellage befinden. Die Schilddrüsenfunktionsstörungen können unter den Krankheitsbildern Hyper- und Hypothyreose nachgelesen werden.
Ursachen

Der Großteil der Schilddrüsenknoten werden durch einen Jodmangel verursacht. Aber auch Autoimmunerkrankungen, bei denen das Immunsystem Antikörper (Abwehreiweiße) gegen körpereigene Strukturen bildet, oder maligne (bösartige) Tumoren können den Veränderungen zugrunde liegen. Autoimmun bedingte Schilddrüsenknoten kommen familiär gehäuft vor. Knoten treten gehäuft bei Menschen älteren Lebensalters auf.
Symptome

Im Anfangsstadium bestehen häufig keine Symptome. Erste Warnzeichen können jedoch in einer Abneigung gegen eng anliegende Kleidung im Halsbereich vorliegen. In einem fortgeschritteneren Stadium können sich Symptome wie Schluck- und/oder Atembeschwerden einstellen. Je nach Stoffwechsellage lassen sich Symptome einer Hyper- oder Hypothyreose (Über- oder Unterfunktion) feststellen. Unruhe, Nervosität, Gereiztheit, Schlaflosigkeit, Tachykardie (schneller Puls), Gewichtsverlust, warme feuchte Haut, brüchige Haare, Muskelbeschwerden und Osteoporose sind beispielsweise Hinweise einer Hyperthyreose. Näheres zur Hypo- und Hyperthyreose sind unter den einzelnen Diagnosen zu finden.
Diagnostik

Erster Schritt einer jeden Diagnosestellung ist eine ausführliche Anamneseerhebung mit der Frage nach Beginn, Dauer, Art und eventueller familiärer Häufigkeit der Beschwerden. Der Arzt kann den Knoten bei ausreichender Größe ertasten. Nach der WHO- (Weltgesundheitsorganisations-) Klassifikation werden drei Schweregrade unterschieden: Grad Ia bezeichnet eine tastbare, aber nicht sichtbare Struma (Knoten), Grad Ib eine tastbare und bei Reklination (Rückwärtsneigung des Kopfes) sichtbare Struma. Grad II ist eine sichtbare Struma bei normaler Kopfhaltung. Grad III beinhaltet eine schon auf Entfernung sichtbare Struma mit Kompressionssyndrom (Druck auf Luftröhre). Blutlaborwerte wie TSH (Schilddrüsen-stimulierendes Hormon), Schilddrüsenhormone T3 und T4, Entzündungswerte wie CRP und Antikörper werden bestimmt. Ultraschall (Sonografie) und Szintigrafie werden zur Diagnose eingesetzt. Bei der Szintigrafie handelt es sich um ein bildgebendes Verfahren, bei dem radioaktiv angereicherte Substanzen, sogenannte Radionuklide (meist Technetium), verwendet werden um die Stoffwechselaktivität des Schilddrüsengewebes darzustellen. Je nachdem wie ein Knoten das Radionuklid im Vergleich zum normalen Schilddrüsengewebe aufnimmt spricht man von heißen (stärkere Anreicherung), kalten (schwächere Anreicherung) oder normofunktionellen Knoten. Insbesondere bei kalten Knoten muss immer der Ausschluss einer Malignität (Bösartigkeit) erfolgen. Hierfür wird meist eine Probe mittels Feinnadelpunktion entnommen und durch einen Pathologen untersucht. Teilweise empfiehlt sich aber auch direkt ein operatives Verfahren.
Auswirkungen

Das Allgemeinbefinden des Betroffenen kann erheblich beeinflusst werden. So können sich beispielsweise starke mechanische Behinderungen durch einen Knoten ergeben. Weiterhin kann sich eine sogenannte Autonomie (Verselbstständigung des Knotens) mit Entwicklung einer Hyperthyreose bilden. Hier ist eine Diagnosestellung enorm wichtig, da bei Unkenntnis einer Autonomie und der Gabe jodhaltiger Kontrastmittel und Medikamente eine thyreotoxische Krise mit Lebensgefahr ausgelöst werden kann. Eine frühzeitige Erkennung und Behandlung eines malignen Schilddrüsenknotens ist von entscheidender Bedeutung für die Prognose des Erkrankten.
Therapie

Die Therapie besteht aus der Beseitigung der Ursache. Einem Jodmangel wird nach Ausschluss einer Autonomie durch eine ausreichende Gabe von Jod in Tablettenform entgegengewirkt. Die Gabe des Schilddrüsenhormons T4 (L-Thyroxin) kann ggf. erforderlich werden. Eine Schilddrüsenüberfunktion wird medikamentös, z. B. mit Carbimazol, welches die Schilddrüsenhormonproduktion hemmt, behandelt. Weiterhin besteht die Möglichkeit eines operativen Eingriffes (nach Herstellung einer normalen Stoffwechsellage) oder der Einsatz der Radiojodtherapie, bei der radioaktive Jodisotope verabreicht werden, die Schilddrüsengewebe zerstören und der Überfunktion somit entgegenwirken. Weiterhin werden Knoten, die zu einer mechanischen Beeinträchtigung geführt haben, sowie verdächtig auf Malignität sind, operativ behandelt.
Prophylaxe

Eine ausreichende Jodzufuhr sollte gewährleistet sein. Hierzu kann jodiertes Salz oder Meeresfisch konsumiert werden. Bei zusätzlichem Bedarf, wie z. B. während einer Schwangerschaft, sollte auf eine entsprechende Zufuhr geachtet werden.
Bemerkungen

Selbsthilfegruppen finden Sie unter folgender URL: www.schilddruesenliga.de.

Literatur:
Herold: Innere Medizin, 2009.

ns;ml; aktualisiert: 09/2009