Gonokokkenpharyngitis, Pharyngitis gonorrhoica, oropharyngeale Gonorrhö, Tripper der Rachenregion.
ICD -10 Code

A54.5
Definition

Bei der Gonokokkenpharyngitis (Pharyngitis gonorrhoica, oropharageale Gonorrhö) handelt es sich um eine Entzündung der Rachenschleimhaut. Die Gonokokkenpharyngitis ist als relativ selten auftretende Form oder vielmehr als Komplikation der Gonorrhö (Tripper) zu sehen. Die Gonorrhö ist weltweit die häufigste ansteckende Geschlechtskrankheit, die fast ausschließlich durch den Geschlechtsverkehr mit einem an Gonorrhö erkrankten Menschen übertragen wird. Die Gonokokkenpharyngitis wird in den Bereich der so genannten extragenitalen Gonorrhö eingruppiert, da sie, im Gegensatz zur Gonorrhö, außerhalb der Harnwege und des Geschlechtstrakts auftritt. Die Übertragung des Erregers Neisseria gonorrhoeae (Gonokokken) erfolgt durch oral-genitalen Geschlechtsverkehr (Oralverkehr) von einem Erkrankten auf seinen Geschlechtspartner. Eine Infektion mit Gonorrhö verläuft meist akut oder chronisch als Oberflächeninfektion von Schleimhäuten. Da die Erreger der Gonorrhö außerhalb der Geschlechtsorgane relativ schnell absterben, tritt eine Infektion des Rachens (Gonokokkenpharyngitis) nur selten auf.
Ursachen

Der Erreger der Gonorrhö ist das gramnegative, aerobe Gonokokken-Bakterium Neisseria gonorrhoeae.
Es gehört zu einer Bakteriengattung, die typischerweise die Schleimhäute befällt. Außerhalb des menschlichen Körpers sterben Gonokokken schnell ab, sodass es nur selten zu einer Übertragung in der Rachenregion oder der Bindehaut des Auges kommt.
Normalerweise wird die Gonorrhö während des Geschlechtsverkehrs an die andere Person weitergegeben. Dabei sind zumeist die Scheidenschleimhaut, die Harnwege und die weiblichen bzw. männlichen Geschlechtsorgane betroffen. Oro-genitale Sexualpraktiken (Oralverkehr) führen jedoch auch zu Infektionen der Schleimhaut des Mundes und des Rachens. Nach der Aufnahme der Erreger in den Organismus sind diese in der Lage, durch winzige "Haftfüßchen" an den Schleimhautzellen anzuheften und dort einzudringen, um lokal eine akute, eitrige Entzündung hervorzurufen.
Da allerdings bei etwa einem Viertel der Männer und etwa der Hälfte der Frauen eine Erkrankung symptomarm verläuft, d. h. ohne wesentliche Symptome und daher ohne das Wissen darüber, stellen sie eine Ansteckungsquelle für weitere Personen dar.
Symptome

Die Erkrankten klagen über ein ständiges Kratzen und Brennen im Hals. Begleitet wird dies von Schluckbeschwerden und einem unangenehmen Trockenheitsgefühl im Hals. Viele Menschen haben einen ständigen Räusperzwang, Schluckzwang oder einen Kloß im Hals. Die Schleimhaut kann gerötet erscheinen und mit einer weißlichen Haut oder einem eitrigen Sekret belegt sein. Die Schleimabsonderung ist überwiegend zäh und nicht sehr stark. Bei der akuten Verlaufsform können die Halslymphknoten geschwollen sein. Fieber, allgemeines Krankheitsgefühl und Abgeschlagenheit können die Pharyngitis begleiten. Eventuell besteht Fieber.
Die aufgezählten Symptome treten bei einer Reihe von anderen Erkrankungen ebenfalls auf. Zur genauen Diagnosestellung ist es daher erforderlich, diese Erkrankung auszuschließen. Im Einzelnen handelt es sich dabei um Erkältungskrankheiten, Diphterie, bösartige Tumore, Mononukleose (Pfeiffersches Drüsenfieber).
Diagnostik

Der Arzt untersucht den Mund- und Rachenraum. Deutliche Rötung und leichte Schwellung des Rachens sind typische Anzeichen, ebenfalls ist eine belegte Rachenschleimhaut zu erkennen. Im Blutbild sind meistens weiße Blutkörperchen erhöht. Durch Abtasten des Halses wird der Arzt die geschwollenen Lymphknoten tasten können. Ein Rachenabstrich kann zum Nachweis durchgeführt werden.
Auswirkungen

Die akute Verlaufsform der Pharyngitis kann sich zu einem lebensbedrohlichen Gesamtbild ausdehnen. Die Schleimhaut kann stark anschwellen, dadurch die oberen Luftwege stark einengen und Atemnot auslösen. Jedoch kann dies durch eine rechtzeitige Behandlung in aller Regel vermieden werden. Bei der chronischen Form der Rachenschleimhautentzündung sind die Auswirkungen ähnlich, jedoch ist nicht mit einem dramatischen Verlauf zu rechnen. Die Entzündung kann sich bei beiden Formen leicht auf benachbarte Bereiche ausdehnen und dann entsprechende zusätzliche Beschwerden, wie z. B. Heiserkeit, auslösen.
Therapie

Gegen die Halsbeschwerden helfen die üblichen Schmerzmittel, Halspastillen oder Gurgeln mit warmem Wasser. Warme Halswickel und heiße Milch mit Honig werden als sehr angenehm empfunden. Durch milde Öle, die durch die Nase eingeträufelt werden, wird die ausgetrocknete Rachenschleimhaut angefeuchtet. Eine Anwendung von antibiotischen Lutschtabletten sollte vermieden werden, da Pilz- oder Virusinfektionen begünstigt werden. Während der akuten Phase der Pharyngitis sollten scharfe Gewürze, rauchen, konzentrierte Alkoholika oder andere chemische Substanzen unbedingt gemieden werden. Bei geringem organischen Befund, aber ausgeprägten Schluckbeschwerden oder Hustenreiz ist eine Linderung der Pharyngitis durch gute psychische Führung zu erzielen. Unterstützend können Beruhigungsmedikamente zum Einsatz kommen. Hier sollte der Arzt aber auch genau nach der möglichen Ursache forschen, um nicht eine andere Erkrankung zu übersehen. Beginnender Tumorwachstum im Rachenraum oder ein Zenkersches Divertikel können dahinter stecken. Zur Behandlung der Gonokokkenpharyngitis wird eine medikamentöse Therapie (Antibiotika) durchgeführt.
Prophylaxe

Eine Prophylaxe einer Gonokokkenpharyngitis ist kaum möglich, da sich normalerweise keiner der Partner seiner bestehenden Infektion bewusst ist. Ein akuter, bakterieller Infekt sollte antibiotisch ausbehandelt werden. Die Verhütung mit Kondomen kann der Pharyngitis vorbeugen.
Bemerkungen

Die Erkrankung an Gonokokkenpharyngits ist nach dem Gesetz zur Bekämpfung von Geschlechtskrankheiten meldepflichtig.

Information zur Gonorrhoe auf den Seiten des Robert-Koch-Institutes: http://www.rki.de/.

Literatur:
Die Innere Medizin, Schattauer (2000); Innere Medizin, Urban & Fischer (2003); Pschyrembel, 261. Auflage (2007); Taschenbuch der Dermatologie, Steigleder, Thieme (1987); Dermatologie, Lehrbuch und Atlas, Rassner, Urban & Schwarzenberg (1997); Innere Medizin, Herold (2008).

ib;ml; aktualisiert: 07/2009