Mallory-Weiss-Syndrom, alkoholassoziierte Erkrankung, Schleimhauteinrisse im Bereich Magen- und Speiseröhrenübergang mit starker Blutung in diesem Bereich, akute obere gastrointestinale Blutung.
ICD -10 Code

K22.6
Definition

Beim Mallory-Weiss-Syndrom handelt es sich um durch Längseinrisse der Speiseröhrenschleimhaut verursachte Blutungen mit Bluterbrechen. Dieses Krankheitsbild tritt nach plötzlicher Druckerhöhung in der unteren Speiseröhre auf, wie beispielsweise bei starkem Erbrechen, Würgen oder Husten. Im Extremfall kann die Speiseröhre sogar reißen (Boerhaave-Syndrom).
Alkoholiker sind aufgrund der chronischen Schleimhautschädigungen besonders häufig betroffen. Gesichert wird die Diagnose durch eine Speiseröhren- und Magenspiegelung. Die Untersuchung erlaubt dem Arzt gleichzeitig den Versuch der Blutstillung, was ihm auch in den meisten Fällen gelingt. In einigen Fällen wiederum wird eine chirurgische Übernähung der Schleimhautrisse unumgänglich.
Ursachen

Das Mallory-Weiss-Syndrom ist durch Längseinrisse am Übergang von der Speiseröhre zum Magen charakterisiert. Alkoholkonsum und die Refluxkrankheit (Rückfluss von saurem Mageninhalt in die Speiseröhre) gelten als fördernde Faktoren. Erhöhter Magen- und Speiseröhrendruck durch Würgen und Erbrechen führt zu Schleimhauteinrissen, die heftig bluten können.
Symptome

Charakteristisch für das Mallory-Weiss-Syndrom ist das plötzliche Bluterbrechen nach wiederholtem unblutigem Erbrechen. Die Betroffenen fühlen sich schon durch die Übelkeit und das ständige Erbrechen elend und werden nun zusätzlich ängstlich. Das Bluterbrechen (Hämatemesis) kann sehr stark sein und in der Folge den Blutkreislauf schwächen: Der Blutdruck kann abfallen und die Herzfrequenz reflektorisch ansteigen.
Diagnostik

Die genaue Feststellung des Mallory-Weiss-Syndroms wird anhand der Beschreibung der Symptome durch den Patienten und eine Magenspiegelung, bei der auch die Speiseröhrenschleimhaut begutachtet wird, erreicht. Wird im Arzt-Patienten-Gespräch angegeben, dass dem Auftreten der Blutung ein heftiges Würgen vorausgegangen ist, so muss vorangig an das Mallory-Weiss-Syndrom gedacht werden. Bei der Spiegelung des oberen Magen-Darm-Trakts wird nach Einführung eines Endoskops (schlauchartiges Instrument mit einer Optik) die zum oberen Verdauungstrakt zählende Speiseröhre, der Magen und der Zwölffingerdarm auf mögliche Schleimhautläsionen oder sonstige krankhafte Veränderungen untersucht. Weiterhin können evtl. vorliegende Blutungsquellen im Rahmen der endoskopischen Untersuchung mitversorgt werden.
Auswirkungen

Sollte die Blutung längere Zeit anhalten, so führt das Mallory-Weiss-Syndrom zum akuten Kreislaufversagen. Bei einem Einriss der Speiseröhre (Boerhaave-Syndrom) kann es als weitere Komplikation zu einem Pleuraerguss (Flüssigkeitsansammlung im Brustfellraum) und/oder zu einer Luftansammlung im Mittelfellraum (Mediastinalemphysem) kommen. Dies ist der Raum, der zwischen den beiden Brustfellsäcken der Lungen liegt und
u. a. Speise- und Luftröhre, große Gefäße (Aorta, Hohlvenen) und das Herz enthält.
Therapie

Liegt ein hochgradiger Blutverlust vor, so muss der Kreislauf durch Bluttransfusionen sowie eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr über die Vene (intravenös) stabilisiert werden.
Nicht selten kommt es beim Mallory-Weiss-Syndrom zu einer spontanen Blutstillung. Bleibt diese aus, muss die Blutung medikametös (z. B. mit Adrenalin) behandelt werden. Dabei wird das Adrenalin mit Hilfe des Endoskops in einem Abstand von etwa einem halben Zentimeter zirkulär um die Blutungsquelle injiziert. Weiterhin kann die Blutungsquelle, in der Regel eine blutende Arterie, mittels Hitzeanwendung verödet werden. Führt auch diese Maßnahme nicht zum erhofften Erfolg, ist schließlich ein chirurgisches Vorgehen (Umstechung oder Umnähung der Blutungsquelle) in Betracht zu ziehen.
Die zusätzliche Gabe von schleimhautschützenden und säurereduzierenden Medikamenten (z. B. Protonen-Pumpen-Inhibitoren, PPI) unterstützt den Heilungsverlauf.
Prophylaxe

Da das Mallory-Weiss-Syndrom in der Regel mit dem Konsum von Alkohol assoziiert ist, sollte der Alkoholkonsum reduziert oder besser komplett eingestellt werden.
Bemerkungen

Literatur:
Innere Medizin, Herold (2009); Chirurgie, 6. Auflage, Elsevier Verlag (2008).

ib;ml; aktualisiert: 01/2010