Phlegmone, Geschwulst.
ICD -10 Code

L03.-
Definition

Die Phlegmone ist eine sich flächenhaft von Geweben und Organen ausbreitende, eitrige Entzündung des Bindegewebes, die rasch fortschreitet und zum Einschmelzen in umgebende Strukturen neigt. Sie kann im Bereich der Haut (Kutis), der Unterhaut (Subkutis), der Muskulatur, des Bauchfells (Peritoneum), des Bewegungsapparates, der Sehnen und Faszien (Muskelhäute), des Knochenmarks und der Darmwand auftreten. Eine Sonderform stellt die Urinphlegmone dar, die als Folge von Verletzungen der Harnröhre oder einem Riss der Harnblase außerhalb des Bauchraumes auftritt.
Ursachen

Die Erreger einer Phlegmone sind meist Streptokokken und Staphylokokken besonders Staphylokokkus aureus, seltener finden sich anaerobe Keime (z. B. Bakteriodes) und Enterobakterien. Es können auch Mischinfektionen auftreten, die durch verschiedene Erreger hervorgerufen worden sind. Die Erreger verfügen über Enzyme, die die Zwischenzellsubstanz des Bindegewebes auflösen können. Dadurch wird eine Ausbreitung in diesem Bereich ermöglicht. Die Erreger gelangen durch eine Hautverletzung, z. B. eine Schnittverletzung oder eine Hautinfektion, beispielsweise eine Wundrose (Erysipel), in das Bindegewebe. Weiterhin werden sie durch einen bakteriellen Herd, etwa durch eine Entzündung im Bereich der Zähne, weitergegeben.
Symptome

Phlegmone sind im Allgemeinen sehr schmerzhaft. Eine Phlegmone tritt mit lokalen, das heißt auf die Entzündungsstelle bezogenen Krankheitszeichen und mit allgemeinen Entzündungssymptomen auf. Als lokale Krankheitszeichen treten flächenhafte Überwärmung, unscharf begrenzte Rötung und Schwellung auf. Die teigige Schwellung der Haut und Unterhaut wird durch eine Ansammlung von wässriger Flüssigkeit verursacht. Als allgemeine Entzündungssymptome sind Fieber, eine Veränderung der Blutwerte und geschwollene Lymphknoten zu sehen. Sind als Erreger gasbildende Keime beteiligt, tritt bei einem Druck auf die Weichteile das für diese Erkrankung typische Knistern auf.
Diagnostik

Eine Phlegmone kann durch die klinische Untersuchung der betroffenen Stelle diagnostiziert werden. Außerdem zeigen sich die typischen Entzündungszeichen wie Fieber und veränderte Blutwerte. Zur Erregerbestimmung führt man einen Abstrich der betroffenen Stelle durch.
Auswirkungen

Entzündungen dieser Art können überall vorkommen, sind aber besonders häufig an Händen oder Beinen. Dort können sie nach äußeren Verletzungen, aber auch als Folge von Hautinfektionen (Erysipel) oder Operationen entstehen. Andere Erkrankungen, wie die arterielle Verschlusserkrankung oder Diabetes mellitus wirken begünstigend auf die Entstehung der Infektion.
Verschiedene Formen der Phlegmone können zu schwersten Entzündungen führen, die sich auch zu einer lebensbedrohlichen Blutvergiftung (Sepsis) entwickeln können. Hier ist insbesondere die bereits erwähnte Urinphlegmone zu nennen. Ebenso kann die eher selten auftretende Phlegmone im Gesichts- oder Halsbereich zu schweren Krankheitszeichen führen. Bei einer Entzündung im Halsbereich breitet sich diese, ausgehend von einer Lymphknotenentzündung, einer Mandelentzündung oder einem entzündeten Haarbalg, auf die tiefe Halsfaszie (Faszie = Hülle, die einzelne Muskeln enthält) aus. Durchbricht sie die Halsfaszie, kommt es zusätzlich zu einer Entzündung des Gefäß-Nervenstranges, wodurch die Erreger in das mittlere Gebiet des Brustraumes (Mediastinum) eintreten können. Haben die Erreger diesen Bereich erreicht kommt es zur lebensbedrohlichen Blutvergiftung (Sepsis).
Therapie

Die durchzuführenden Maßnahmen sind abhängig von der Schwere der Entzündung und können einen Krankenhausaufenthalt notwendig machen, falls es zu einer sehr ausgedehnten Infektion oder zu einer Blutvergiftung kommt. Als erste Maßnahme sollte der betroffene Bereich ruhiggestellt werden. Dies bedeutet beispielsweise bei einer Verletzung am Bein Bettruhe und Hochlagerung des Beins. Des Weiteren wird der Patient mit Antibiotika behandelt. In einigen Fällen ist eine chirurgische Eröffnung und Entlastung des Gewebes erforderlich. Dabei wird abgestorbenes Gewebe (Nekrosen) entfernt, Spülungen werden durchgeführt und eine Drainage wird (Wundabfluss) angelegt. Der Operation folgt eine antibiotische Therapie.
Prophylaxe

Da bereits kleinste, banale Schnittverletzungen eine Phlegmone verursachen können, ist ein sorgsamer Umgang mit scharfen Gegenständen nötig. Bei einer Schnittverletzung sollte, insbesondere wenn die Herkunft des scharfen Gegenstandes nicht geklärt ist oder die Verletzung im Freien stattgefunden hat, ein Arzt aufgesucht werden. Weiterhin sollte bei allen Entzündungen (z. B. einer Mandelentzündung) darauf geachtet werden, dass diese ausheilt. Dabei sollten die verordneten Antibiotika so lange eingenommen werden, wie es angeordnet ist. Dies gilt auch dann, wenn nach kurzer Therapiedauer keine Krankheitszeichen mehr vorhanden sind.
Bemerkungen

Literatur:
Checkliste Dermatologie, Sterry/Paus, Thieme, 5. Auflage, 2004; Dermatologie u. Venerologie, Fritsch, Springer, 2. Auflage, 2003; Klinikleitfaden Dermatologie, Dirschka et. al. U & F, 2. Auflage, 2003; Taschenatlas Dermatologie, Thieme 2006; Dermatologie, Hippokrates 1995; Chirurgie Kloeters-Müller, Urban & Fischer 2004.

nj;ml aktualisiert: 08/2009