Akute Pyelonephritis, akute tubulointerstitielle Nephritis, akute Nierenentzündung.
ICD -10 Code

N10
Definition

Bei der akuten Pyelonephritis handelt es sich um eine bakterielle Entzündung des Nierengewebes.
Ursachen

Die akute Pyelonephritis entwickelt sich durch Bakterien, die über den Harnweg bis in die Niere aufsteigen oder über den Blutweg dorthin gelangen, wobei die Infektion über die Harnwege deutlich häufiger auftritt als über den Blutweg. In der Niere angelangt, werden die Bakterien durch weiße Blutkörperchen bekämpft und es bildet sich Eiter. Durch einen Verschluss der zur Harnblase führenden Harnleiter wird die Entwicklung einer Pyelonephritis begünstigt, da die Bakterien und der Eiter nicht durch den in den Nieren produzierten Urin ausgespült werden können; die Entzündung breitet sich schneller aus. Aufgrund der kürzeren Harnröhre erkranken Frauen deutlich häufiger an einer Pyelonephritis. Sie kann infolge einer Harnröhrenentzündung, einer Blasenentzündung, durch einen Harnblasenkatheter oder - bei einer Frau - zusätzlich durch eine vaginale Entzündung entstehen. Weiterhin kann die Entstehung einer Pyelonephritis durch Harnabflussstörungen (z. B. durch Harnsteine oder Tumore bedingt) sowie durch eine Immunschwäche (z. B. Diabeteserkrankung, HIV-Infektion) deutlich begünstigt werden.
Symptome

Eine Pyelonephritis zeigt sich (je nach Befall) durch einen ein- oder beidseitigen Flankenschmerz, der bis in die Leistengegend hinabziehen kann und der durch ein leichtes Klopfen in der Region des Nierenbeckens deutlich verstärkt wird.
Begleiterscheinungen der Pyelonephritis sind Fieber, Übelkeit und Erbrechen sowie häufiger Harndrang mit Schmerzen beim Wasserlassen, wobei jeweils nur wenig Harn entleert wird.
Häufig wird eine Pyelonephritis noch durch Rückenschmerzen und Urinverfärbungen (Blut und/oder Eiter im Urin) angezeigt.
Diagnostik

Der Arzt kann bereits durch Abklopfen der Nierenregion und durch die vom Patienten beschriebenen Symptome eine Nierenentzündung feststellen. Eine Harnuntersuchung, bei der der Urin auf weiße Blutkörperchen (trüber Urin) und Bakterien untersucht wird, ergänzt zusammen mit einem Blutbild die körperliche Untersuchung. In der Laboruntersuchung des Blutes finden sich in der Regel vermehrt junge weiße Blutkörperchen, die erkennen lassen, dass der Patient unter einer Infektion leidet. Mit Hilfe einer Urinkultur kann sowohl die Bestimmung des Erregers als auch ein Antibiogramm (Suche nach einem wirkungsvollen Antibiotikum) gelingen. Eine Ultraschalluntersuchung zeigt, ob die Krankheit eventuell durch Harnsteine oder andere Harnleiterverschlüsse begleitet bzw. verursacht wird. Im Zweifelsfall müssen noch eine computertomografische (CT, Schichtröntgen) oder andere radiologische Untersuchungen durchgeführt werden. Bei einer "Uroflowmetrie" wird die Stärke des Harnstrahls untersucht. Gegebenenfalls kann es in der Harnröhre zu Engstellen gekommen sein, die nun den Abfluss behindern und so vermehrt zu Blasenentzündungen führen. Diese so genannten Strikuturen müssen chirurgisch behoben werden.
Auswirkungen

Wenn die Pyelonephritis nicht korrekt behandelt wird, kann sie chronisch werden, was eine Schädigung der Niere bis hin zum Nierenversagen zur Folge haben kann. Des Weiteren kann es vorkommen, dass sich die Bakterien über die Blutbahn ausweiten und so zu einer Blutvergiftung (Sepsis) führen.
Die Bildung eines Abszesses schließlich kann den Patienten mit starken Schmerzen und hohem Fieber zusätzlich belasten.
Therapie

Die Entzündung selbst wird mit Antibiotika behandelt. Bettruhe und viel Flüssigkeit sollten ebenfalls helfen, die Erreger auszuschwemmen. Ergänzend wird in der Regel ein Schmerzmittel gegeben. Zusätzlich werden die gegebenenfalls vorliegenden Verschlusserkrankungen behandelt, um den Durchfluss zu gewährleisten. Während der Behandlung muss der Urin regelmäßig auf Keime untersucht werden, um sicherzustellen, dass das Antibiotikum anspricht und es nicht zu einer wiederholten Infektion oder gar zu resistenten Bakterien kommt.
Bei so genannten Harnröhrenstrikturen sollte ein kleiner operativer Eingriff erfolgen, eine Schlitzung, um beim Wasser lassen keine Hindernisse überwinden zu müssen.
Prophylaxe

Eine gute Durchspülung der Nieren und der Harnwege ist die beste Prophylaxe, daher ist es sinnvoll, auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten (Erwachsene sollten zwei bis drei Liter am Tag trinken).
Bei einer bestehenden Verengung der ableitenden Harnwege sollte möglichst bald Abhilfe geschaffen werden; die Therapie einer bestehenden Erkrankung der Harnwege, wie einer Blasenentzündung, muss auf jeden Fall rechtzeitig und vor allem konsequent erfolgen, da sie sich sonst leicht in eine Pyelonephritis ausweiten kann.
Bemerkungen

Literatur:
Innere Medizin, Urban & Fischer (2003); Checkliste Innere Medizin, Thieme (2003); Klinikleitfaden Innere Medizin, Urban & Fischer (2003); Innere Medizin, Herold (2008).

ab;ml; aktualisiert: 05/2009