Chromomykose und chromomykotischer Abszess.
ICD -10 Code

B43.-
Definition

Von Schimmelpilzen verursachte Hautinfektionen und Gewebemykosen werden Chromomykosen genannt, die auch unter der Bezeichnung Schwärzepilze oder Dermatiaceae zusammengefasst werden. Der Name basiert auf in den Zellwänden eingelagerten dunklen Melaninpigmenten, die die Beständigkeit des Pilzes im Gewebe dadurch bewahren, dass sie den Pilz vor der Phagozytose und Abtötung durch Abwehrzellen schützen. Diese Schwärzepilze sind bei Stoffwechsel- und Abbauvorgängen in der Natur beteiligt; man findet sie auf verrottendem Holz und verderbendem Gemüse, bei Verletzungen im Umgang mit solchen Materialien können die Pilze in den Körper des Menschen gelangen.
Die Chromomykose (Syn. Chromoblastomykose oder Dermatitis verrucosa) wird durch verschiedene Pilzarten aus der Familie der Dermatiaceae verursacht, unter anderem durch Cladosporium carrionii, Fonsecaea compacta, Fonsecaea pedrosoi, Phialophora verrucosa und Rhinocladiella aquaspera.
Man unterscheidet klinisch zwischen auf die oberflächliche Haut beschränkte Mykosen, genannt Tinea nigra, und die bis in die Unterhaut reichenden sogenannten Phaeohyphomykosen. Zu den tiefen Mykosen gehören die Myzetome (Maduramykose, chronische Infektion des Unterhautgewebes und des angrenzenden Knochens nach Hautverletzung), die sich in seltenen Fällen auch im Zentralnervensystem festsetzen können. Dies kann passieren, wenn es sich um sogenannte neurotrope (auf Nerven einwirkende) Schwärzepilze, wie die beiden Arten Cladophialophora bantiana und Exophiala dermatitidis, handelt. Diese bilden Abszesse im Gehirn, die sich immer mehr vergrößern und so zum Tode des Betroffenen führen können.
Ursachen

Die Infektion wird durch filamentöse Schimmelpilze verursacht, die auch unter der Bezeichnung Schwärzepilze oder Dermatiaceae zusammengefasst werden. Man findet diese Pilze auf verrottendem Holz und verderbendem Gemüse, bei Hautverletzung mit solchen Materialien können die Pilze in den Körper des Menschen gelangen. In der Folge können sie beim Menschen eine Infektion auf der Haut, vor allem in den unteren Extremitäten, auslösen oder aber, wenn es sich um neurotrope Pilze handelt, im Gehirn chromomykotische Abszesse bilden. Über den Blutweg können sie selten auch Lunge und Muskeln erreichen und diese schädigen (hämatogene Dissemination).
Die Inkubationszeit der Schwärzepilze ist meist unbekannt, es kann sich wahrscheinlich um Monate handeln. Süd- und Ostafrika, Indien sowie Zentralamerika sind die Länder, in denen die Erreger der Chromomykose häufiger auftreten, Einzelfälle werden auch in Europa beschrieben.
Symptome

Kennzeichen der Chromomykose (Chromoblastomykose) sind chronisch ulzerierende oder papillomatöse, granulomatöse Hautveränderungen an den unteren Extremitäten (gelegentlich auch an anderen Körperstellen). Die Inkubationszeit der Schwärzepilze kann Monate dauern, ist meist aber unbekannt. Ist es beim Betroffenen zu einem chromomykotischen Abszess im Gehirn gekommen, können, je nach Lage des Abszesses, über Symptome wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Bewusstseinsstörungen, epileptische Anfälle sowie Sprach-, Hör- und Sehstörungen berichtet werden.
Diagnostik

Eine ausführliche Anamnese des Patienten, zu der Inspektion, Palpation (Ertasten) und Auskultation (Abhorchen) gehören, trägt wesentlich zur Diagnosesicherung bei. Der Arzt wird den Patienten auch nach einem vorangegangenen Auslandsaufenthalt fragen, eine Blutkontrolle und je nach Notwendigkeit gegebenenfalls bildgebende Verfahren veranlassen. Bei Verdacht auf eine Chromomykose kann geeignetes Untersuchungsmaterial direkt mikroskopiert werden. Hautgeschabsel oder Hautbiopsien müssen dabei für eine optimale Darstellung mit einer 10 - 30%igen Lauge versetzt werden. Für die Differenzierung der Pilze bedarf es jedoch der Pilzkultur. Die Identifizierung der ätiologischen Erreger der Chromomykose erfolgt in infiziertem Gewebe durch morphologische Charakteristika und Eigenarten der Pilzkulturen.
Auswirkungen

Wird die Pilzinfektion nicht oder nur unzureichend behandelt, kann sich die Infektion auf immer größere Hautareale und in tiefere Schichten des Körpers ausbreiten. Sie kann auch ins Blut übergehen und andere Organe befallen. Durch die Pilzinfektion entstandene offene Stellen im Körper (z. B. Risse in den Zwischenzehen) können auch Eintrittspforte für andere Infektionen, z. B. durch Bakterien (Streptokokken beim so genannten Erysipel), darstellen.

Zu den tiefen Mykosen gehören die sogenannten Myzetome (Maduramykose, chronische Infektion des Unterhautgewebes und des angrenzenden Knochens nach Hautverletzung), die sich auch im Zentralnervensystem festsetzen können. Dies kann passieren, wenn es sich um sogenannte neurotrope (auf Nerven einwirkende) Schwärzepilze, wie die beiden Arten Cladophialophora bantiana und Exophiala dermatitidis, handelt. Diese bilden Abszesse im Gehirn, die sich immer mehr vergrößern und so zum Tode des Betroffenen führen können.
Therapie

Bei der Behandlung der Chromomykose gibt es keine optimalen, verbindlichen Therapierichtlinien.
Der Einsatz sogenannter Antimykotika (Arzneimittel gegen Pilze) als Einzelpräparat oder auch in Kombination hat sich aber bewährt. Das Antimykotikum Itraconazol aus der Stoffgruppe der Tiazole hat sich für viele Patienten als nützlich erwiesen. Da Itraconazol eine gute Penetration in Haut- und Hautanhangsorgane (Keratinophilie) sowie eine hohe Gewebegängigkeit in verschiedene Organe (z. B. Lunge, Leber, Knochen) aufweist, können diese Eigenschaften therapeutisch vorteilhaft genutzt werden. Durch Beständigkeit hoher Itraconazol-Spiegel am Wirkungsort, auch nach Absetzen der Medikation, hat sich die Applikation von Itraconazol in "Puls-Form" (Intervallgabe in höherer Dosierung) entwickelt, durch die bei gleicher Effizienz gleichzeitig eine Dosisreduktion erreicht werden kann. Zu den unerwünschten Wirkungen können beispielsweise Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Bauchschmerzen, Blähungen, Leberstörungen, Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut, ein niedriger Kaliumspiegel im Blut und eventuell Haarausfall im Falle einer Langzeit-Therapie zählen. Bei der Behandlung mit Itraconazol ist eine Langzeittherapie über mindestens sechs Monate empfehlenswert. Alternativ kommt auch Flucytosin i. v., eventuell kombiniert mit Amphotericin B, bei ausgedehnten Läsionen infrage. Eine chirurgische Intervention ist bei kleineren Läsionen oft sinnvoll.
Prophylaxe

Die beste Vorbeugung gegen eine Chromomykose ist sehr wahrscheinlich das Tragen von Schuhwerk und Kleidern, um die Möglichkeit kleiner Hautverletzungen zu vermindern.
Bemerkungen

Chromomykosen gehören zu den seltenen Infektionsursachen.
Es gibt eine weltweite Verteilung der Fälle, wobei die meisten der Fälle aus Entwicklungsländern stammen. Betroffen sind hauptsächlich landwirtschaftliche Arbeiter in tropischen und subtropischen Ländern.

Literatur:
Duale Reihe Mikrobiologie, Thieme 2003.

ab;ml; aktualisiert: 06/2009