Rippenbruch, Rippenfraktur, engl.: rib fracture.
ICD -10 Code

S22.3-
Definition

Bei der Rippenfraktur handelt es sich um eine knöcherne Verletzung einer oder mehrerer Rippen.
Bei einem Rippenserienbruch sind mindestens drei benachbarte Rippen einer Seite gebrochen. Meist sind die mittleren Rippen betroffen, da die oberen Rippen durch den Schultergürtel geschützt und die unteren Rippen durch ihre knorpelige Aufhängung am Brustbein elastischer sind.
Ursachen

Rippenfrakturen entstehen meistens durch Unfälle, z. B. durch einen direkten Schlag auf die Rippe, einen Sturz, einen Lenkradaufprall oder eine Prellung, bei älteren Menschen aber auch spontan oder schon bei leichtem Druck aufgrund einer erhöhten Knochenbrüchigkeit (Osteoporose). Im Rahmen einer notfallmäßig durchgeführten Herzdruckmassage kommt es häufig zu Rippenfrakturen. Außerdem gibt es eine ganze Gruppe von Grunderkrankungen, die eine erhöhte Knochenbrüchigkeit verursachen. Dazu zählen z. B. Krebserkrankungen, die entweder primär oder sekundär (als Tochtergeschwülste) den Knochen brüchig machen. Des Weiteren können verschiedene internistische Grunderkrankungen (z. B. Erkrankungen der Nebenschilddrüse oder der Nebennierenrinde) und auch eine Mangel- bzw. Fehlernährung (z. B. Calciumarme Ernährung) die Knochenstruktur schädigen.
Symptome

Bei günstiger Lokalisation verursachen Rippenfrakturen keine oder nur leichte Schmerzen. Häufig ist ein Rippenbruch jedoch stark schmerzhaft und schränkt die Atmung und die Atembewegung ein. Bei Osteoporose ist der Rippenbruch oft symptomfrei und bleibt unbemerkt.
Unerträgliche Schmerzen und schwerste Atemstörungen bestehen bei einem instabilen Brustkorb aufgrund eines Rippenserienbruchs.
Diagnostik

Die Verdachtsdiagnose Rippenfraktur kann zunächst anhand der Anamnese und dem Leitsymptom des Brustraumschmerzes gestellt werden. Der Arzt fragt nach einem möglichen Unfallgeschehen und nach eventuellen Grund- bzw. Vorerkrankungen. Die am häufigsten auftretende Grunderkrankung ist die Osteoporose. Teilweise sind Rippenfrakturen von außen als tastbare Stufe erkennbar. Weiterhin können Symptome wie Luftnot bis hin zur Zyanose (Blaufärbung der Lippen und Haut), schnelle und oberflächliche Atmung (Tachypnoe) und schnelle Herzfrequenz (Tachykardie) auftreten. Gesichert wird die Diagnose durch eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs in zwei Ebenen. Dabei können auch Begleitverletzungen der Lunge beurteilt bzw. ausgeschlossen werden. Zum Ausschluss weiterer Verletzungen können ein Ultraschall des Bauchraumes und eine Echokardiographie (Ultraschalldiagnostik des Herzens) nötig sein.
Auswirkungen

Brustschmerz, der beim Atmen auftritt, ist die Hauptauswirkung der Rippenfraktur. Jedoch können durch die knöchernen Bruchstücke der Rippe in seltenen Fällen weitere, komplizierende Verletzungen auftreten.
Es kann zur Einblutung in die Brusthöhle (Hämatothorax) kommen. Dies erschwert die Atmung und kann bis zum Blutverlustschock führen. Wird die Lunge verletzt, so kann Luft in den Pleuraspalt gelangen. Dies führt zu Luftansammlung im Brustkorb (aber außerhalb der Lungen), einem Pneumothorax. Sind mehrere Rippen betroffen, spricht man von einer Rippenserienfraktur. Bei jedem Rippenbruch kann es durch die schmerzbedingte Einschränkung der Atembewegung zur Ausbildung einer Lungenentzündung, einer Pneumonie, kommen. Eine Verletzung der Leber, Milz und des Zwerchfelles muss in Betracht gezogen und sollte in jedem Falle ausgeschlossen werden.
Therapie

Eine einfache Rippenfraktur bedarf keiner speziellen Therapie. Die Rippen werden durch ihre Einbettung in die Muskulatur und Bänder des Brustkorbs fixiert. Durch Schmerzmittel wird die Atmung erleichtert, einfache Atemübungen fördern die ausreichende Entfaltung der Lunge.
Rippenserienbrüche sollten allerdings immer in einem Krankenhaus behandelt werden. Bei einer Instabilität des Brustkorbs ist eventuell eine Operation erforderlich, bei der die Bruchenden operativ wieder zusammengeführt werden (Osteosynthese). Da es bei jedem Rippenbruch zu Begleitverletzungen der inneren Organe kommen kann, ist es wichtig, dass sich der Verletzte bei Schmerzen im Bereich des Brustkorbs unverzüglich in ärztliche Behandlung begibt. Oftmals ist eine sofortige intensivmedizinische Beobachtung und Behandlung erforderlich. Verletzungen der inneren Organe müssen sofort operiert werden.
Prophylaxe

Vorbeugen kann man nur durch das generelle Vermeiden von Unfällen und gegebenenfalls durch die Behandlung einer vorhandenen Osteoporose.
Bemerkungen

Literatur:
Chirurgie, Schumpelick, Enke-Verlag, 6. Auflage, 2003; Chirurgie, Müller, 8. Auflage, 2005; Chirurgie, Siewert, Springer, 8. Auflage, 2006; Orthopädie, Netter, Thieme, 13. Auflage, 2001.

ab;ml; aktualisiert: 08/2009